Markus Baumann, Präsident des Gewerkschaftsbunds Kanton Solothurn und Kantonsrat.
Es ist nicht zu übersehen. Den Strassen entlang, an Bahnhöfen und von Plakatwänden strahlen uns freundliche Gesichter entgegen. Mit Zeitungsinseraten und unendlich vielen öffentlichen Auftritten versuchen sie, die Gunst der Wählerinnen und Wähler zu gewinnen.

Sie alle haben ihre Rezepte bereit, wie sie die Schweiz in die Zukunft lenken wollen. Ihre Slogans wie «frei bleiben», «dä bringts», «wirkt», «machts» und so weiter zeigen, dass da viele mit Tatendrang nach Bern wollen.

Als ich das Wahlmaterial nach Hause bekam, wurde mir erst bewusst, wie schwierig es für viele Wählerinnen und Wähler sein muss, all die farbigen Partei-Prospekte durchzulesen, sich ein Bild zu machen und dann noch die richtige Wahl zu treffen. Denn sage und schreibe 147 Kandidatinnen und Kandidaten auf 27 Listen bewerben sich für die 6 Nationalratssitze, drei Kandidaten und eine Kandidatin kämpfen um die zwei Ständeratssitze. Ein neuer Rekord!

So viel sei hier gesagt: Es geht um weit mehr als Rekorde. Es geht vielmehr darum, welche Schweiz wir in Zukunft wollen. Soll sich die Schweiz gegen aussen weiter abschotten? Geht uns das Elend in anderen Staaten etwas an? Welche Altlasten wollen wir unseren Nachkommen hinterlassen? Wie wollen wir den Wohlstand in unserem Land aufrechterhalten und verteilen? Wie gehen wir mit den sozial schwächeren Menschen um und wie stellen wir uns ein würdevolles Leben im Alter vor? Und nicht zuletzt: Welche sozialen Auffangnetze brauchen wir?

Eine florierende Wirtschaft braucht einerseits genügend gut ausgebildete Fachkräfte und gute Einkommen. Damit sind nicht nur die Löhne gemeint, sondern auch die Renten und Sozialversicherungen. Der Wohlstand muss gerecht verteilt werden. Die Schweiz ist stark auf den Binnenmarkt angewiesen, das heisst, dass die Leute in der Schweiz einkaufen und konsumieren. Dies umso mehr als dass die Exportwirtschaft unter dem harten Franken leidet. Der Staat muss gute Dienstleistungen bieten, dafür braucht er genügend Ressourcen, also Geld und Personal. Weitere Privatisierungen staatlicher Betriebe müssen verhindert werden. Die Vergangenheit zeigt, dass weder die Menschen noch der Staat von den privatisierten Betrieben wie Post und SBB wirklich profitieren. Die Krankenkassenprämien steigen und steigen – dies trotz «freiem Markt». Altere Arbeitnehmende müssen einen besseren Kündigungsschutz haben. Wer ein Leben lang gearbeitet hat, darf nicht von heute auf morgen auf die Strasse gestellt werden.

Der Technologiestandort Schweiz soll weiter entwickelt werden. Damit schaffen wir neue Arbeitsplätze und schaffen Voraussetzungen für eine nachhaltige Umweltpolitik. Unsere humanitäre Tradition, dass wir Arme und Hilfsbedürftige aufnehmen und unterstützen, sowie die Einhaltung der Menschenrechte müssen wir aufrechterhalten.

Wer sich auf diese Werte konzentriert, wird sich auf wenige Kandidatinnen und Kandidaten konzentrieren können – für eine offene und fortschrittliche Schweiz, in der der Mensch im Mittelpunkt steht!

14. Okt 2015