Ich bin 52 Jahre alt und das „world wide web“ weiss es. Was da nicht alles in meinem Maileingang landet! Mit Nachdruck wird versucht mir einzureden, dass meine Gesichts- und Bauchfalten mein aalglattes Selbstbewusstsein überlappen und dass dieses, wenn ich nicht Q10 oder Hyaluronsäure auftrage, quasi unter den Falten zu ersticken droht. Die Krankenversicherungen offerieren mir eine medizinische Happyhour: Vom Lasern der „Besenreisser“ an den Beinen bis zum Aufrollen der Schlupflider sei ab 50 alles sinnvoll.

Wenn es nur die Angstmacherei mit der Schönheit wäre, könnte ich damit leben. Doch leider gibt es auch diejenigen, die einem mit der Altersfrage ernsthaft Angst machen und gegen die man mit Schmieren und Salben nicht ankommt. Sie provozieren Schmerzen, die unter die faltige Haut, direkt ans „Läbige“ gehen: Wirtschaftsbosse stellen das Kapital vor den Menschen und tauschen erfahrene ältere Arbeitskräfte gegen billigere jüngere aus. Firmen bauen bei den Bewerbungseingängen einen elektronischen Filter ein, wer älter ist als Jahrgang 1968, bekommt auf seine Bewerbung automatisch eine Absage. Das ist eine unerträgliche Diskriminierung und gehört verboten. Und wenn der Kanton und staatsnahe Betriebe wie die Gebäudeversicherung, SGV, mit ihren Stelleninseraten 46 Jährige direkt auf den „Alteisenhaufen“ katapultieren, so ist das ein Skandal. Die SGV schreibt eine Stelle aus, wie vor wenigen Wochen schon die Justizvollzugsanstalt, auf die sich Männer und Frauen, die nicht älter als 45 sind, bewerben können. Das provoziert tiefe Denkfalten.
 
Doch diese Denkfalten darf man sich nicht einfach wegschminken. Im Gegenteil; man muss „Kriegsbemalung“ auftragen und kämpfen. Es braucht einerseits eine klare Vorreiterrolle des Kantons und der staatsnahen Betriebe. Sie sollen nicht nur  Kampagnen zur Sensibilisierung der Arbeitgeber lancieren sondern auch Stellensuchenden über 50 anstellen. Und andererseits braucht es einen erweiterten gesetzlichen Schutz: Ohne Not sollen Personen, die seit Jahren im selben Unternehmen arbeiten  nicht entlassen werden dürfen auch wenn sie älter sind als 50-ig. Diese Anliegen werde ich weiterhin – auch im «world wide web» - mit Nachdruck vertreten. 

Franziska Roth, Parteipräsidentin

01. Sep 2018