Am letzten Donnerstag verkündete ich den 3. Klässlern, dass ich am Dienstagnachmittag nicht bei ihnen im Unterricht sein werde sondern meine Stellvertretung. Der kleine Joel wollte wissen wo ich denn hingehe. Ich sagte: ich gehe zu den Grauen Panthern. Da kam wie aus der Kanone geschossen und mit ungläubigem Blick: Was löh die die i Chäfig ine?

Und Theo meinte: Was gosch du uf Asie, die läbe doch dört. Ich frage nach was sie sich denn unter grauen panthern vorstellen. Das sind sicher Menschen die sich Grau anziehen und dann schneller Velo fahren, weil Frau Roth doch immer Velo fährt und schlussendlich kam ein Kind und sagte: Also das hat sicher eteas mit Politik zu tun, also mit ganz normalen Menschen, da kam der Vorlauteste und sagte: Auso wenn d frou Roth dörthi öppis macht, denn si das sicher nid normali Mönsche. Ich erklärte ihnen dann, dass es eben eine Gruppe älterer Menschen sei, deren Mitglieder verschiedene Aktionen mitmachen dürfen und die trotz älteren Jahrgangs aktiv teilnehmen am heutigen Leben also Vorträge, Besichtigungen von unterschiedlichen Sachen genau so wie wir, das kann von Museen über Zoos bis hin zu Firmen alles sein und bei denen der Spass, genau so wie bei uns nicht zu kurz kommt, da sie auch spielen, wandern und jassen. Da frage der Lausebengel wieder, was chöi die de no loufe und jasse? Liebe Anwesende kaum andere Gesellschaftsbereiche generieren mehr Vorurteile als die Jugend und das Alter.

Das Alt werden ist wie das Jung sein mit vielen Vorurteilen behaftet. Ich persönlich arbeite ja in einem Beruf, in dem es nur so von Vorurteilen wimmelt: Viel Lohn, viel Ferien und alle 1./2. Klässler sind in die Lehrerin verliebt. Und gerade gestern, als ich ein Referat bei einem bürgerlich- und wirtschaftsnahen Club hielt hielt, fragte man mich, warum sich so viele Lehrpersonen in der SP wiederfinden. Die SP sei doch die Partei der Arbeiter aber bekanntlich arbeiten Lehrpersonen ja nicht wirklich sooooo viel. Logisch wurde mir das mit einem gewissen Schmunzeln vorgelegt. Aber ich nehme dann diesen Steilpas gerne auf und kontere jeweils bei den ach so wilden Arbeitstieren der Chefetage so: Weisst du überhaupt, wie wenig du arbeitest? Hier ein Rechenbeispiel: Das Jahr hat 365 Tage. Davon schläfst du täglich 8 Stunden, das sind im Jahr 122 Tage - es bleiben also noch 243 Tage. Täglich hast du acht Stunden frei, das sind ebenfalls 122 Tage - es bleiben noch 121 Tage pro Jahr. 52 arbeitsfreie Sonntage hat das Jahr. Was bleibt übrig?: 69 Tage. Du rechnest noch mit? Samstags wird auch nicht gearbeitet, das sind nochmals 52 ganze Tage. Bleiben also noch 17 Tage. Aber: Du hast täglich eine 1/2 Stunde Pause, macht insgesamt 7 Tage. Übrig bleibt ein Rest von 10 Tagen. Das Jahr hat 9 Feiertage, was bleibt übrig? Sage und schreibe 1 TAG! - Und das ist der 1. Mai, an du auch nicht arbeitest.

Auch das Thema Alter und damit die Bewältigung des Alterungsprozesses sind Bereiche, die in der Gesellschaft ambivalente Bilder und Vorurteile hervorrufen. Viele junge Menschen werden von den Medien regelrecht mit Vorurteilen über das Altwerden zugemüllt. Adjektive wie runzlig, krank, kraftlos und vergesslich sind omnipräsent. Mit aggressiver Werbung wird einerseits das Phänomen der ewigen Vitalität und Anti-Aging heraufbeschworen zum anderen ist die letzte Lebensphase behaftet mit Angst vor Isolation, Degeneration und schwindenen geistigen wie auch körperlichen Kräften.

Ja, Viele Menschen betrachten das Alter als Feind, als Gegner die ganze Werbe- und Versicherungsindustrie nimmt diese Ängste auf und alles was irgendwie nach Falten, Cellulite oder Muskelbeschwerden im Alter klingt oder aussieht, proklamieren sie als sofort zu bekämpfen ja sogar als gefährlich und ungesund. Es wird einem richtiggehend Angst gemacht. Ich werde nächstes Jahr 50. Meine Güte, was da alles in meinem Briefkasten, sowohl dem elektronischen, wie auch dem physischen landet. Mit Nachdruck wird versucht, mir einzureden, dass meine Gesichts- und Bauchfalten meine aalglattes Selbstbewusstsein überlappen, ja wenn ich nicht Q10 oder Hyaluronsäure oder wie das Zeugs alles heisst auftrage quasi unter den Falten zu ersticken drohe, und wehe ich wage mich ohne Cellulitecreme im Bikini in die Badi, dann werde ich als Rote mit einer Orangenhaut sicher belächelt und wehe ich wage mich ab sofort ohne Generaluntersuchung beim Arzt noch durch meine 15 Jahre Arbeit, dann werde ich- auch wenn Lachen die beste Medizin ist- bald nichts mehr zu lachen haben. Ja es wir einem ein Gebrechen nach dem anderen vorausgesagt. Da kommt mir dieser Fluglehrer in den Sinn, der seinen Schüler fragte: „Wenn ein Unwetter kommt und Sie fliegen in einem Flugzeug und ein Motor fällt aus, wie werden Sie damit fertig?“ „Dann fliege ich mit dem anderen Motor“, entgegnete der Schüler. „Auch den zerstört ein Unwetter, was machen Sie dann?“ „Dann fliege ich mit einem anderen Motor weiter.“ „Also“, sagte der Fluglehrer völlig entnervt: „Darf man erfahren, wo Sie so viele Motoren herholen?“ „Von da, wo sie die Unwetter herholen!“, erwiderte der Lehrling.

Es wird den Leuten so viel Angst eingejagt, dass einem bald jede Creme recht ist, auch wenn sie von Quacksalbern kommt. Angstmacherei von Kapitalisten. Kapital schlagen und sich bereichern nimmt Überhand und das in einem Land, das von sich behauptet, es sei gerecht, sozial und frei. Dass ich nicht lache! Ja, ich bin faltiger und ja, auch wenn mir eine glatte Rote Tomatenhaut lieber wäre als eine Orange und wenn ich auch lieber gesund älter werde, dass ich deswegen Angst vor dem Alter haben muss ist genauso dumm, wie wenn der Fluglehrer dem Schüler vier Unwetter hintereinander in einem Flug vorrechnet, nur weil er mit dem Selbstbewusstsein des Schüler Probleme hat.

Wenn es nur diese Angstmacherei wäre, mit der könnten wir ja umgehen wie der Flugschüler mit Schlagfertigkeit und Ignorieren. Und dass ihr das auch könnt, das zeigt ihr, liebe Jubilarinnen und Jubilaren mit eurem Handeln, mit euren wunderbaren Aktionen, eurem Tun und nicht Lassen und ihr zeigt es, mit euren 2 mal 11 Antiisolierungs-, Einsamkeitsvernichtungs- und Langeweileüberwindungspillen.  

 

Aber leider gibt es da noch die Anderen, diejenigen, die einem echte Angst machen und gegen die man nicht mehr mit Schmieren und Salben ankommt. Eine viel tragischere Angstmacherhorde sind gewisse Politiker. Mit ihren Sparhandlungen setzen sie immer wieder den Sparhebel dort an, wo es unter die faltige Haut geht, wo es wirklich ans Läbige, ja gar ans Überleben geht. Der Sparhebel wird dort angesetzt wo man wohl am wenigsten Widerstand erwartet, bei den Kindern, mit Streichungen im Bildungsbereich und bei den Menschen die sonst schon fast nichts haben indem man zum Beispiel die Prämienverbilligung kürzen will. Ja, solche Ideen machen einem nicht nur Angst, sie nehmen einem vielleicht sogar die Hoffnung. Dabei ist es an uns Politikerinnen und Politikern, laut Bundesverfassung immer und immer wieder die Stärke unserer Gesellschaft an den Schwächsten zu messen und damit eine Politik der Hoffnung statt der Angst zu betreiben. Und hier hilft nur folgende Tinktur: Widerstand und Kampf, gerührt und geschüttelt mit Solidarität und Gleichberechtigung! Hier braucht es immer und immer wieder den Widerstand von uns allen, egal wie alt egal wie begabt. Hier braucht es Sie und mich, meine Kinder und ihre Freunde, hier braucht es den Kampf von uns allen, die wir unser Geld nicht mit Spekulationen oder Bonifikationen verdienen, sondern die wir hart dafür arbeiten müssen oder hart gearbeitet haben.

Komisch ist, dass wenn ich folgenden Satz in die politische Runde werfe: „Damit der Mensch bis zu seinem Tod mündig, frei und in Würde selber mitgestalten kann, braucht er gerechte Bedingungen!“ dann sind sich von links bis rechts alle einig, dass das stimmt, aber nur wenige packen es dann an. Dass die zwei Begriffe Gerechtigkeit und Freiheit zentral sind und zwar unabhängig vom Alter ist unbestritten. Alle Parteien schreiben sich diese auf die Wahlfahne und versprechen, dass sie keinen Unterschied machen zwischen Mann und Frau, mehr oder weniger Gebildeten oder Pensionierten und noch Tätigen machen. Sogar die Bundesverfassung hält im  Artikel 113 fest, dass die erste und zweite Säule AHV-Rentnerinnen und -Rentnern «die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise» ermöglichen müssen. Heute decken die AHV-Renten im Gegensatz zum Verfassungsauftrag nicht einmal das Existenzminimum, zahlreiche RentnerInnen kämpfen mit finanziellen Problemen. Hier muss ein gemeinsamer Kampf ansetzten. Damit wir einen solchen Kampf gewinnen können, muss man Fakten auf dem Tisch haben. Und die sehen so aus: Neben all den superreichen Gigabossen die auf ihrem Gewinnmaximierten Geschäftskurs rasen und dabei das Fussvolk nicht nur verdrängen sondern geradewegs mit Volldampf rücksichtslos überfahren, leben in der Schweiz rund 185'800 Senioren die Ergänzungsleistungen beziehen müssen. Ihre AHV-Rente und die Bezüge aus der Pensionskasse reichen nicht aus, um die minimalen Lebenskosten zu decken. Gemäss Hochrechnungen von Pro Senectute nimmt diese Zahl stetig zu: Jedes Jahr kommen 5000 zusätzliche Pensionäre dazu, deren Rente nicht existenzsichernd ist. Zum Vergleich: Die Organisation schätzt, dass 53 Prozent der 264'000 Millionäre in der Schweiz im AHV-Alter sind – Tendenz steigend. Während also die Zahl der Altersmillionäre stetig grösser wird, nimmt auch jene der armutsbetroffenen Rentner zu. In keiner Altersgruppe sind die Unterschiede bei Einkommen und Vermögen so gross wie bei den Senioren. Wer während seines Berufslebens vermögend war und ein gutes Einkommen hatte, der hat auch als Rentner einen komfortablen Lebensstandard. Wer dagegen stets einen niedrigen Lohn hatte, der hat im Pensionsalter erst recht keine Chance, die ausbleibenden Einkünfte ausreichend zu kompensieren.» Und da wären wir auch wieder bei den Vorurteilen des reichen Rentners das in der Öffentlichkeit präsenter ist, dabei leben arme Senioren häufig weitgehend unbemerkt – aus Scham. Die weitverbreitete Altersarmut ist ein Skandal für die reiche Schweiz. Die Strategie des Bundesrates zur Vorsorge 2020 enthält aber kaum Massnahmen zu ihrer entschiedenen Bekämpfung. Und die Rechtsaussenpolitiker wittern überall Missbrauch und behaupten, dass nur Sozialdetektive und Kürzung der Renten die Kosten im Sozialbereich unter Kontrolle bringen. Und der Bundesrat will das Rentenalter heraufschrauben. Doch dabei blenden sie aus, dass ältere Arbeitnehmende auf dem Arbeitsmarkt systematisch diskriminiert werden .

Sie werden in die Arbeitslosigkeit, in die Invalidenversicherung, in die Sozialhilfe oder in die kostspielige Frührente getrieben und belasten damit andere Sozialversicherungen. Jedes Rentenalter über 62 ist deshalb unsinnig und unsozial.

Eigentlich vergeht einem dabei das Lachen schon etwas, aber gerade weil man solche Zahlen nicht einfach so verdrängen darf, muss man sie verdauen und lachen verbrennt viele Kalorien: Mit einem Augenzwinkern frage ich, wissen Sie Was ist der Unterschied zwischen 65 jährigen Schweizer, Franzosen und Engländer ist? Der 65 jährige Engländer steht morgens um neun auf, trinkt seinen Tee und liest die Zeitung. Der 65 jährige Franzose steht um zehn auf, genehmigt sich ein Gläschen Bordeaux und macht danach einen ausgedehnten Spaziergang. Und der 65 jährige Schweizer steht um sechs auf, nimmt seine Herztropfen und geht anschließend zur Arbeit. Liebe Anwesende ja, es ist eigentlich ein Witz aber wenn wir weiter die Sozialleistungen angreifen, dann kommt es soweit, dass wir das Pensionsalter hochschrauben müssen und somit wie vorher gesagt, noch mehr Menschen arbeitslos, ausgesteuert und diskriminiert werden. Das wollen wir nicht! Da gefällt mir dieser kleine Witz: Zwei Rentner sitzen auf einer Parkbank. Kommt eine junge Frau vorbei gejoggt. Sagt der eine: “Bei der möchte ich noch mal 20 sein.” Sagt der andere: “Bist du blöd, für fünf Minuten Spaß noch mal 45 Jahre arbeiten!?”

Das innerliche Annehmen der letzten Lebensphase, die Integration der Lebenserfahrung, bewirkt eine Verfestigung der Identität und bedeutet eine Aussöhnung mit dem eigenen Leben und die Freude am guten Einmischen in das Leben der Jungen, indem ihr euer Know how nicht in euren Rucksäcken verschimmeln lasst, sondern uns die Jungen damit gluschtig aufs Erfahrungen sammeln macht. Es bedeutet für mich sein Wissen und seine Erfahrung in Verantwortung der nächsten Generation mitgeben und das mit einer grossen Portion Gelassenheit. Mit einer gesunden „Schadenfreude“, und dabei meinen ich nicht, den Nachkommen mit dem Zeigefinger und Böser Rache vor den Konsequenzen zu drohen, sondern sie mit einem kontrollierten Learning bei dooing zu uns begleiten. Lassen sie mich kurz ausführen wie das sein kann. Ich mag mich noch genau erinnern, wie meine Mutter, meinen Kindern am Märetfest eine Wasserpistole kaufte. Ich schaute sie an und sagte: Gopferdecku, Mam, kannst du dich nicht mehr erinnern, wie du immer dagegen warst und dich genervt hast, wenn wir damit spielten. Da sage meine mit einer Schadenfreude die dann auch mich ansteckte Mutter: Oh doch eben ganz genau kann ich mich erinnern. Ja, sie hat recht, von euch und euren Erfahrungen lernen wir. Ein starkes Selbstbewusstsein ist ein Begleiter, den wir Menschen in allen Lebensphasen an unserer Seite tragen sollten aber der im Alter ein richtiger Schatz für die Gesellschaft uns somit eine der wichtigsten Ressourcen ist um gegen die täglichen Heckenschussversuche und der Angstmacherei vor dem Alter genügend Munition zu haben.

Liebe Jubilaren: Ja, ihr habt noch Power, das beweist ihr nicht nur heute, am Fest, sondern mit euren Aktivitäten durchs Jahr. Es ist ja enorm, was ich alles erfahren habe von meinen vielen Bekannten, die im Rahmen eurer wöchentlichen Zusammenkünfte schon  aufgetreten sind. Ihr lebt mit Haut und Haar, was ihr euch auf eure Fahne schreibt. Einsamkeit, Langeweile und das Gefühl der Nutzlosigkeit bekämpft ihr mit Gemeinsamkeit, Neugierde und Einsatz. Ihr beschränkt euch dabei nicht auf die Wahrnehmung von altersspezifischen Interessen und seid auch solidarisch mit jüngeren Generationen. Mit Handeln im Alltag kämpft ihr für die Gleichberechtigung und Selbstbestimmung sowie die Achtung der Würde von älteren Menschen in der Gesellschaft. Mit eurem Handeln fördert ihr die Beteiligung von älteren Mitmenschen am gesellschaftlichen und politischen Geschehen und kreiert Ideen für eine Gesellschaft, die für alle da ist.

Und nun seid ihr 2 mal 11 Jahre alt. Eigentlich seid ihr ja noch jung, 22 Jahre, da braucht es noch keine AntiaginCreme oder Botoxspitzen, nein, 22 Jahre das heisst ihr seid voll im Saft. Und eigentlich hat der 3. Klässler recht wenn er fragt: Was löh die di i Chäfig, denn ihr habt Power und Biss. Wie ein Panther lasst ihr nicht über euch verfügen. Im Gegenteil. Ein Panther in freier Wildbahn kann im Sprint bis zu 60 KMH hinlegen, ihr zeigt dass ihr mit 60 sogar den Langstreckenlauf nicht scheut und täglich den Marathon gegen Ungerechtigkeit und unsoziale Handlungen lauft und vertretet so, mit allen Generation die Menschenrechte und Würde aller und nicht nur von ein paar Privilegierten. Danke, dass es euch gibt!

31. Mär 2015