Hochwasserereignisse gehören zu den häufigsten und teuersten Naturkatastrophen in der Schweiz. Grosse Überschwemmungen verursachen immer wieder Schäden in Millionenhöhe. Im Kanton Solothurn sind in der Vergangenheit die beiden Flüsse Aare und Emme, zum Teil trotz bestehender früherer Verbauungen, immer wieder über die Ufer getreten und haben massive Schäden verursacht. Die letzten beiden grossen Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekte an der Emme zwischen Gerlafingen und Biberist und an der Aare zwischen Olten und Aarau konnten die Defizite in Bezug auf den Hochwasserschutz deutlich verringern und ermöglichten gleichzeitig eine naturgerechtere Gestaltung des Flusslaufs.

Entlang der letzten 5 Kilometer der Emme zwischen dem Wehr Biberist und der Mündung in die Aare haben die Hochwasser in den Jahren 2005 und 2007 die verbleibenden Schutzdefizite nochmals deutlich aufgezeigt. Es besteht hier weiterhin die Gefahr, dass der Flussquerschnitt unter Brücken durch Treibgut ganz oder teilweise verschlossen wird. Der hart verbaute und mit Querschwellen versehene Flusslauf hat zudem grosse ökologische Defizite. Das vorliegende Projekt will deshalb mit fast 50 einzelnen Massnahmen den Hochwasserschutz verbessern und die Gewässerlandschaft für Natur und Mensch wieder aufwerten. Es stellt sicher, dass künftig ein Hochwasser, wie es durchschnittlich alle 100 Jahre auftritt, ohne Schäden abgeführt werden kann.

In erster Linie wird das Flussbett von heute rund 25 m auf 40 m, an einigen Stellen sogar auf bis 60 m verbreitert. Wo diese Ausweitungen nicht ausreichen oder nicht möglich sind, werden Dammbauten für zusätzlichen Schutz sorgen. Die bestehenden Uferverbauungen werden saniert, ersetzt und ökologischer gestaltet. Innerhalb des Gewässerraums befinden sich zudem drei alte Deponien, die vollständig ausgeräumt werden sollen. Neben dem Hochwasserschutz soll dieses Projekt den Lebensraum für Fauna und Flora verbessern und in Zukunft als Naherholungsgebiet für die Bevölkerung dienen.

Die hohen Gesamtkosten belaufen sich auf 73.6 Millionen Franken. Zu beachten ist aber, dass ein Drittel der Kosten direkt durch die Sanierung der drei Deponien verursacht wird. Fast die Hälfte der Kosten übernimmt der Bund durch Beiträge an die wasserbaulichen Massnahmen und die Altlastensanierung. Weitere Beiträge stammen aus dem kantonalen Altlastenfonds, von Gemeinden und Dritten, die vom Projekt betroffen sind. Die verbleibenden Kosten, die mit zweckgebundenen Erträgen aus der Wassernutzung bestritten werden, betragen noch knapp 19 Millionen Franken. Nicht nur aus Sicht des Hochwasserschutzes oder der Ökologie, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht ist das Projekt sinnvoll: Jeder eingesetzte Franken senkt das finanzielle Risiko der Schäden, die durch Überschwemmungen entstehen, um 1.53 Franken, so die Berechnungen des Bundes. Der Hochwasserschutz an der Emme ist eine gute Investition!

Bild:  Paul-Georg Meister  / pixelio.de 

03. Feb 2016