Nima Pour Jakub, Bellach
Am 25. Februar 2016 setzte sich in Teheran (Iran) ein Verkäufer selbst in Brand. Er wollte die Polizeikräfte davon abhalten, die Tücher, die er in der Innenstadt verkaufte, an sich zu nehmen.

von Nima Pour Jakub, Bellach

Er ist keine Ausnahme. Während der letzten Jahre haben sich viele Arbeiter/innen und arme Menschen selbst in Brand gesetzt, um gegen die Ungleichheit im Iran zu protestieren. Am 23. September 2015 zündete sich in Ahwaz im Süden des Iran ein 36jähriger Mann mit Namen Omid Rashedi an, weil sein Arbeitgeber seinen Vertrag nicht verlängern wollte. Nach einigen Tagen im Spital starb dieser Mann, der Frau und Kinder hatte. Aufgrund von Schwierigkeiten mit ihrem Arbeitgeber zündete sich eine Frau am 12. Juli 2015 in Mashhad im Osten Irans an.

Laut Beamten des Iranischen Gesundheitsministeriums ist Arbeitslosigkeit die Hauptursache für Suizide im Iran. Der Chef der Iranischen Handelskammer gibt an, dass jede Stunde 150 Arbeiter/innen ihren Job verlieren. Im von den Mullahs regierten Iran befinden sich mindestens 12 Millionen Arbeiter/innen, die von einem Einkommen leben müssen, das mindestens dreimal tiefer ist als die offizielle Armutsgrenze, teilweise sogar als die offizielle Überlebensgrenze. Laut dem Industrieminister sind 60% der industriellen Anlagen halb oder ganz geschlossen und 70% der noch laufenden Betriebe funktionieren nicht mehr.

Diejenigen Industrieanlagen, in denen weniger als 10 Arbeiter/innen arbeiten, unterliegen nicht dem Arbeitsgesetz, so dass die Arbeitgeber die Arbeiter/innen behandeln können wie sie wollen. Laut dem Arbeitsminister arbeiten 30% der Arbeiter/innen im Iran unter dem sogenannten weissen Vertrag, in den erst nachdem er unterschrieben worden ist die Arbeitsbedingungen hineingeschrieben werden – und zwar vom Arbeitgeber.
Die Arbeiter/innen im Iran haben kein Recht, sich selbst zu organisieren und die Verbände und Gemeinschaften sind brutalen Repressionen durch die Regierung ausgesetzt. Wenn die Arbeiter/innen versuchen, unabhängige Vereine und Gemeinschaften zu gründen, werden sie brutal durch die IRGC oder das Geheimdienstliche Ministerium unterdrückt.
Momentan sind viele Arbeiter/innen entweder im Gefängnis oder unter Bedrohung der Sicherheitskräfte. Mohammad Jarahi (Bild) ist einer dieser eingekerkerten Arbeitsaktivisten – er ist seit fünf Jahren im Zentralgefängnis der Stadt Tabriz. Er leidet an Kehlkopfkrebs und benötigt dringend eine professionelle medizinische Behandlung.

Während der letzten 36 Jahre hat die Islamische Republik viele Arbeiter/innen in ihren Gefängnissen getötet. Gholamreza Khosravi Savadjani (Bild) war einer dieser Arbeiter; er wurde am 01. Juni 2014 im Rajai Shahr Gefängnis in Karaj hingerichtet. Herr Savadjani war Vater eines Jungen im Teenageralter. Shahrokh Zamani (Bild), der aufgrund seines Widerstands als Gewerkschafter ins Gefängnis kam, war fünf Jahre in Gefangenschaft und starb wegen fehlender medizinischer Versorgung im selben Gefängnis am 13. September 2015.
Die Lösung für all dies ist unser vereinter und organisierter Kampf. Die Iranischen Arbeiter/innen müssen das regierende Regime umstürzen und ein neues System etablieren, das auf Freiheit und Gerechtigkeit basiert, sonst wird sich die Situation niemals ändern. Die Iranischen Arbeiter/innen brauchen die Solidarität der Verbände und Gewerkschaften auf der ganzen Welt, um dieses Ziel zu erreichen.

14. Jun 2016